Die Kritik an Shein zusammengefasst [Einfach erklärt]

Kritik an SHEIN

Auf Instagram, TikTok oder YouTube kommt man an SHEIN kaum vorbei. Der chinesische Modekonzern ist im Internet omnipräsent und erntet dabei viel Lob und Kritik. Influencer*innen freuen sich über günstige Preise, Verbraucherschützer*innen und NGOs kritisieren verheerende Arbeitsbedingungen, schlechte Qualität und süchtigmachende Mechaniken.

Was ist SHEIN?

Als Real-Time-Modeunternehmen produziert SHEIN (ehemals SheInside) Mode beinahe in Echtzeit. Laufend analysiert es dafür Trends in Sozialen Medien und passt sein Sortiment daraufhin an. Von der Idee bis ein Produkt im Shop landet dauert es nur fünf bis sieben Tage, teils sogar nur drei Tage. Von einem neuen Produkt lässt SHEIN zu Beginn nur eine geringe Stückzahl herstellen. Erst bei hoher Nachfrage lässt SHEIN mehr produzieren.

🧶 Warum ist Fast Fashion schlecht?

Durch dieses Prinzip werden am Tag bis zu 6239 neue Kleidungsstücke hochgeladen. Das Trendbewusstsein und die operative Effizienz zahlen sich aus: Im Jahr 2020 hat das Unternehmen schätzungsweise 10 Milliarden US-Dollar umgesetzt und gehört weltweit zu den Top 3 der beliebtesten Onlineshops für Mode. Doch eine Frage bleibt.

Wer zahlt den Preis für die günstige Mode?

Furchtbare Arbeitsbedingungen

Die Kleidung von SHEIN wird in Guangzhou herstellt, wo das Unternehmen ebenfalls seinen Sitz hat. Guangzhou, eine Stadt mit mehr als 11 Millionen Einwohnern, ist eine bekannte chinesische Industriestadt und ist auch unter der Bezeichnung “Fabrik der Welt” bekannt.

Laut einem Bericht von PublicEye arbeiten Näher*innen bis zu 12 Stunden am Tag und bis zu 75 Stunden die Woche für den Modekonzern. Pro Monat haben die Arbeiter*innen nur einen Tag frei. Laut chinesischem Arbeitsgesetz ist dies verboten, da die Arbeitswoche 40 Stunden nicht überschreiten darf. Zudem werden die Arbeiter*innen pro Stück bezahlt, wodurch sie in lange Arbeitszeiten getrieben werden. Da SHEIN das Sortiment sehr schnell wechselt, müssen die Arbeiterinnen ständig neue Schnittmuster lernen, was wiederum Zeit kostet.

Oft haben die Arbeiter*innen nicht einmal einen Arbeitsvertrag unterschreiben und demnach auch keine Ansprüche auf Sozialleistungen.

In manchen der Fabriken sind die Fenster in den oberen Etagen vergittert, mögliche Fluchtwege sind mit Kleidersäcken vollgestellt, was eine schnelle Flucht im Notfall unmöglich macht. Bei einem Brand oder ähnlichen Katastrophen könnte dies fatal enden.

Shein kopiert die Mode anderer Designer

Das Trendbewusstsein der Designs sind neben Preis und Verfügbarkeit das Herausstellungsmerkmal für Modemarken. Bekannte Marken wie Ralph Lauren und Dr Martens, aber auch aufstrebende Jungdesigner kritisieren, dass Shein ihre Designs klaut.

Designklau bei SHEIN
SHEIN klaut Designs

So beschwerte sich Mariam Diallo bei Twitter über den dreisten Designklau. Und auch die Gruppe von Designern Elexiay hat bereits Kopien der eigenen Arbeit auf SHEIN gefunden. Für junge Designer ist das bitter: sie haben viele Stunden Arbeit in ihre Designs gesteckt, produzieren in mühevoller Handarbeit und legen wert auf Originalität und hochwertige Materialien.

Shein kurbelt Profit durch Casino-ähnliche Features an

Bei Shein bekommen Nutzer Punkte, wenn sie die App mindestens einmal am Tag öffnen. Diese Punkte lassen sich in Gutscheine umtauschen. Dazu kommen Spiele wie Glücksräder und Mini-Games, die Nutzer*innen mit Rabatten belohnen. Dabei haben Nutzer*innen jeden Tag einen Dreh am Glückrads frei, mehr Drehe können durch das Durchsuchen von Kleidung gewonnen werden.

Nutzer*innen werden so an den Onlineshop gebunden und entwickeln ein suchtartiges Verhalten. So tätigen sie Käufe, die sie ohne diesen Mechanismus wohl kaum machen würden und tragen zum Überkonsum bei.

Fehlende Transparenz: Die Firma ist von außen kaum durchschaubar

Shein ist ein Mode-Gigant, den kaum jemand kennt, der nicht selbst dort shoppt. Und das Unternehmen hält sich bewusst bedeckt. Über den Gründer Chris Xu ist kaum etwas bekannt. Auch Investor*innen und Journalist*innen kommen nicht an der Unternehmen ran, Presseanfragen beantwortet SHEIN nicht.

Auch über die Lieferkette von SHEIN ist kaum etwas bekannt. 2021 berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass SHEIN fälschlicherweise angab mit den Siegeln ISO und SA8000 zertifiziert zu sein.

Diese Intransparenz ist für Unternehmen, die nach Großbritannien verkaufen, sogar illegal. Der Modern Slavery Act (ähnlich dem geplanten Lieferkettengesetz) verpflichtet Unternehmen auf ihrer Website transparent darzulegen, was es gegen moderne Sklaverei unternimmt.

Einsatz synthetischer Materialien

SHEIN Polyester

Shein setzt vor allem auf synthetische Materialien wie Polyester und Nylon. Diese werden aus Erdöl hergestellt, ein Prozess der für die Umwelt extrem schädlich ist. Kleidung aus Polyester verliert bei jedem Waschgang Mikroplastik, das so in die Umwelt gelangt.

Eine von PublicEye befragte Bekleidungsgestalterin nennt die Mode von SHEIN “Fast-Fashion-Standard”, also eine mal bessere mal schlechtere Verarbeitung gepaart mit billigen Stoffen.

SHEIN betreibt Greenwashing

Auf seiner Website gibt sich SHEIN umweltbewusst und verspricht “nachhaltige Praktiken für einen gesünderen Planeten.” So spricht das Unternehmen von nachhaltigen Materialien, schadstoffarmen Druckmethoden und effiziente Produktionen, um Müll zu vermeiden. SHEIN gibt an dank “automatisierten Systemen, die den Workflow optimieren” Kohlenstoffemissionen zu reduzieren.

Das klingt nicht nur fabulös und verklausuliert, es wird auch nicht durch Zahlen oder anderen Fakten bewiesen. Das Unternehmen stellt einfach nur Behauptungen auf, die Konsument*innen nicht überprüfen können. Über Produktionsbetriebe oder die Herkunft der eingesetzten Materialien erfährt man nichts.

Wie nachhaltig ist SHEIN?

SHEIN agiert als Unternehmen intransparent, beutet Arbeiter*innen aus und setzt vor allem auf billiges Polyester. Trotz großer Töne auf der Website, ist SHEIN kein nachhaltiges Unternehmen und legt keinen Wert darauf, dass System Fast Fashion zu verändern.

Das Unternehmen hat übrigens schon die ersten Nachahmer: Die Onlineshops Sinsay und TrendYol verkaufen ebenfalls Billigmode zu Billigpreisen.

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